Die Strategieumsetzung erfordert regelmäßig, eine erarbeitete Strategie ins Unternehmen hinein zu kommunizieren und die Mitarbeiter für die neue Ausrichtung einer Organisation zu gewinnen. Dies ist eine der Aufgaben der Führung im Unternehmen.
Es gibt jedoch stärkere Möglichkeiten, die die Akzeptenz einer neuen Strategie positiv beeinflussen. Anstatt die Strategie als fertiges Ergebnis quasi an die Mitarbeiter zu verkaufen, bieten sich unterschiedliche Formen der Einbindung der Mitarbeiter schon im Prozess der Strategieerarbeitung an. Hier ein Beispiel:
Ausgangssituation und Auftrag
In dem mittelständisch geprägten Produktions-Unternehmen mit ca. 400 Mitarbeitern, Teil eines erfolgreichen Familienkonzerns, stand die Ausarbeitung einer neuen Strategie ins Haus. Zum einen, weil der strategische Planungszyklus dies nahelegte, zum anderen, weil im angestammten weitgehend durch die Nachfrage der anderen Konzernunternehmen getragenen Geschäft der Umsatz bei schwindenden Margen spürbar rückläufig war. Eine Neupositionierung im Markt schien also angezeigt.
Anders als beim 5 Jahre zuvor durchlaufenen Strategieprozess war der Geschäftsführung wichtig, die Mitarbeiter stärker mit der Strategie zu verbinden. Mit der vorigen Strategie war der Eindruck verbunden, "…das haben die da oben sich ausgedacht, das hat mit uns nichts zu tun…". Angesichts der angespannten Kostensituation und der steigenden Herausforderungen des Marktes waren jedoch die Akzeptanz der Strategie und das aktive Mitziehen aller bei deren Umsetzung dringlich.
Vorgehen
Nach Definition des Strategieteams bestehend aus den Geschäftsführern und 7 Führungskräften der 2. und 3. Ebene wurde beim Projektstart gemeinsam das Vorgehen abgestimmt. Bei dieser Prozessplanung wurde festgelegt, die Mitarbeiter über die Kommunikation zum Strategieprozess hinaus durch aktive Mitwirkung einzubinden. Beim Projektstart erfolgten ebenfalls ein Review der Umsetzung der letzten Strategie und die Bewertung der erzielten Ergebnisse.
Den ersten Arbeitsschritt für die Erarbeitung vollzogen dann die Mitarbeiter: Rund 80 Mitarbeiter aller Führungsebenen starteten an einem Samstag in die Analyse der Stärken und Schwächen des Unternehmens und seiner Position im Markt. Sie entwarfen dann in gemeinsam gemalten Bildern beeindruckende Vorstellungen ihrer Sicht der Zukunft des Unternehmens.
Das als Beobachter anwesende Management war beeindruckt, wie differenziert die SWOT war und wie sehr sie sich mit der Einschätzung des Managements in fast allen Punkten deckte, was sich in der später folgenden strategischen Analyse des Strategieteams erhärtete. Das begeisterte Mitmachen beim Malen der Zukunftsvorstellungen machte zudem deutlich, wie viel positive Energie und Identifikation im Unternehmen vorhanden ist und nahm vollends vereinzelt vorhandene Zweifel.
Ohne weiter in die Details der weiteren Erarbeitung der Strategie zu gehen, wurde die Einbindung der Mitarbeiter über aktive Beteiligung wie über mehrere Kommunikationskanäle aufrechterhalten. So war u.a. repräsentativ eine ähnliche Zahl an Mitarbeitern beteiligt, denen die erarbeitete Strategie zunächst als Zwischenergebnis vorgestellt wurde. Sie wurden zur kritischen Würdigung aufgefordert und sparten nicht mit Hinweisen, die vom Strategieteam anschließend vor der endgültigen Fassung der Strategie ernsthaft geprüft wurden.
Ergebnisse
Die Strategie selbst wie der Prozess der Erarbeitung fand bei Mitarbeitern und Management große Zustimmung. Die Einbindung der Mitarbeiter war im gewünschten Sinne gelungen und zusätzlich mit sehr positiver Resonanz verbunden. Dies war umso wichtiger als die Strategie eine Neupositionierung des Unternehmens gleich in mehreren Feldern beinhaltet, die eine große Herausforderung für alle darstellen.
Das wohl wichtigste Ergebnis der ersten 4 Monate der Strategieumsetzung ist jedoch, dass das im ersten Quartal weiter zurückgehende Geschäft im angestammten Marktsegment überkompensiert wird durch das stärker als geplant und erwartet steigende Geschäft in den neuen und margenträchtigeren Segmenten. Dies untermauert überdeutlich die Richtigkeit der Neuausrichtung.
Die Strategie scheint schneller aufzugehen als zu erwarten war - zusätzlich genährt durch die auch bei den Mitarbeitern vorhandene Einschätzung und Erfahrung, „…das ist unsere Strategie, der neue Weg ist richtig“.
Siehe auch hier zu Strategieumsetzung ist mehr.